= ein weltweiter Verbund von Computern und Computernetzwerken
= eine virtuelle Welt, die einen nationalen und internationalen Austausch via E-Mail oder Telefonie möglich macht.
Am 31. Juli 2014 endet vorerst das Asyl von Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden in Russland. Es wird höchst wahrscheinlich verlängert. Trotzdem: Was wird aus dem Whistleblower, der uns mit so beunruhigenden Informationen versorgte?
Die Meldung macht die Runde: Bundesjustizminister Heiko Maas richtet sein Wort an Edward Snowden. Er rät ihm, sich den Behörden der USA auszuliefern. Er sei ein junger Mann und wolle sicher nicht, sein Leben lang ein Gejagter sein. Dass Menschen aber andere Ideale verfolgen, als ein Leben mit einer Lüge, scheint dem Herrn Bundesjustizminister nicht in den Sinn gekommen. Vernunft ja, aber zu welchem Preis?
Quelle Foto: Wikipedia
Reporter ohne Grenzen für Snowden
Edward Snowden war es, der 2013 Tausende Dokumente kopierte und die Öffentlichkeit darüber informierte, dass ganz normale Bürger von Geheimdiensten ausgespäht werden. Für seinen Mut wurde er mit dem Whistleblower-Preis ausgezeichnet, in seiner Heimat angeklagt.
Auf die derzeit noch ausweglose Situation von Snowden macht nun auch die Organisation REPORTER OHNE GRENZEN aufmerksam.
ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske in Berlin sagt: „Statt Edward Snowden zu raten, sich in den USA zu stellen, wo er mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen muss, sollte Bundesjustizminister Heiko Maas sich lieber öffentlich dafür einsetzen, dass die Bundesregierung Snowden sicheren Aufenthalt in Deutschland garantiert.“ (Quelle: Reporter ohne Grenzen)
Das Engagement der Whistleblower würdigten die REPORTER OHNE GRENZEN mit einer Kampagne „Whistles for Whistleblowers“. Erweisen wir den mutigen Menschen, die uns mit geheimen Informationen versorgen, die unser aller Leben betreffen, die Ehre und schenken wir den Hintergründen mehr Aufmerksamkeit. Jeder Einzelne von uns kann etwas tun, sich zumindestens selbst ein Bild von der Lage um Edward Snowden und andere Whistleblower machen.
Haben Sie schon mal GOOGLE gegoogelt? Als Top-Ergebnis erscheint GOOGLE.DE. Keine Überraschung. Dann kommt GOOGLE aus Österreich, der Schweiz, aus Amerika, aus Wikipedia und so weiter. Google, Google, Google. Artikel oder Berichte kommen erst ab Seite drei. Wenn überhaupt. Die Suchmaschine gibt es nun bald an die 15 Jahre. Erst? Schon? Überkommt Sie auch manchmal das Gefühl, als gäbe es Google seit dem Urknall? Der Name, sein Erscheinungsbild und die Dienste sind so verankert in unserer Existenz, dass man sich kaum an eine Zeit ohne Computer, Internet und GOOGLE erinnern kann. Wie hat das alles nur angefangen?
FACEBOOK ist unermüdlich. Getreu dem Motto „wer rastet, der rostet“ bleibt niemals irgendwas beim Alten. Aktuell sind es zwei Apps, die mal wieder von sich reden machen. GRAPH SEARCH und FACEWASH. Doch was bedeuten sie für uns Nutzer?
GRAPH SEARCH ist mal wieder ein Versuch, GOOGLE vom Suchmaschinen-Himmel zu schießen, denn dahinter verbirgt sich nichts anderes als eine Suchfunktion. So werden FACEBOOK-Seiten zu Datenbanken, denn die App bezieht sich auf Profil-Informationen. GRAPH SEARCH durchforstet die Vorlieben und Empfehlungen aller FACEBOOK-Nutzer und bietet somit eindeutigere Suchergebnisse, da verschiedenste Suchparameter miteinander verbunden werden. Ihre Inhalte werden zu Stars! Auch solche, die Sie bereits vergessen haben und wollen. Aber spätestens seit der Umstellung auf die FACEBOOK CHRONIK sollten Sie sich an diese wieder gewöhnt haben, denn seit dem heißt es: Die Vergangenheit ist passé. Es sei denn, Sie haben Ihre Chronik durchforstet und Unerfreuliches einfach ausgelöscht.
Peinlichkeiten hin oder her, alles, was für Sie auf FACEBOOK eine Rolle spielt, ist auch für GRAPH SEARCH wichtig. Keine Sorge, Ihre Privatsphäre-Einstellungen bleiben dabei unberührt. Das bedeutet: Alles, was öffentlich NICHT zugänglich ist, wird auch NICHT für die Auswahl der Suchergebnisse berücksichtigt. Im Moment befindet sich GRAPH SEARCH noch in der Beta-Phase. Zeit genug für eine geeignete Präventionsmaßnahme. Und die heißt FACEWASH!
Die App ermöglicht das Durchsuchen des Profils auf Begriffe. Anschließend können die daraufhin angezeigten Daten geändert oder gelöscht werden. Das ultimative Waschprogramm für Ihr FACEBOOK-Profil. Doch wo nach genau suchen? Welche Begriff definiert Peinliches? FACEWASH bietet eine Auswahl an vorgefertigten Suchbegriffen, allerdings nur in Englisch, da auch diese APP noch in der Betaphase ist. Probieren Sie es einfach selbst aus. Überlegen Sie doch mal genau, was Sie so alles auf FACEBOOK von sich preis und laut geben!
Wie groß ist das Internet? Eine Frage, die eine ähnliche Dimension anzunehmen scheint wie die nach dem Sinn des Lebens. Denn es ist eine ernüchternde Tatsache, dass keine eindeutige Antwort möglich ist. Von uns geschaffen, hat das Internet Ausmaße angenommen, die wir scheinbar nicht mehr kontrollieren können. Wir wissen nur, dass es das WWW schafft, Jahr um Jahr seine eigenen Rekorde zu brechen. So auch 2012. Das Netz wächst und wächst. Stetig. Ins Unendliche.
Um überhaupt auch nur einen Hauch von Größe und Ausmaß geben zu können, nutzen aktuelle Studien nackte Zahlen:
2,2 Billionen Mail-User 144 Billionen verschickte Emails pro Tag 634 Millionen Webseiten (stand Dezember 2012) 191 Millionen Google-Nutzer (November 2012) 1 Milliarde Facebook-Nutzer (Oktober 2012)
So könnte man weitermachen. Zahl um Zahl. Doch genügen mathematische Werte, die wir kaum begreifen, um die Größe unserer virtuellen Kommunikationswelt sichtbar zu machen? Laut diversen Studienversuchen ist dies nur möglich, wenn man das Userverhalten betrachtet, also für welche Zwecke Menschen das Internet nutzen. Das Ergebnis ist irgendwie kaum überraschend. An erster Stelle stehen Suchmaschinen, gefolgt von Social Media-Seiten und Mediendiensten. Wir wissen inzwischen, dass das Internet ein Universum an Inhalten bildet, die unserer Unterhaltung und Information dienen. Übrigens 45 Prozent des gesamten Internet-Traffics sollen bereits die Top 515 der beliebtesten Seiten ausmachen.
Das Internet lässt sich also nicht so einfach in die Karten schauen. Na gut. Wie schaut es denn mit einer Archivierung der Inhalte aus? Besser! Dafür gibt es die WAYBACK MACHINE. Ein Internet-Gedächtnis, das uns ermöglicht, Webseiten und Inhalten vergangener Jahre an- zusehen. Inzwischen sind 240 Milliarden Pages abrufbar, die bereits der Vergangenheit angehören. Die Idee zu der einzigartigen Archivierung hatte ALEXA-Gründer Brewster Kahle. 1996 rief er das gemeinnützige Projekt INTERNET ARCHIVES ins Leben. Und genau bis 1996 kann man mittels der WAYBACK MACHINE zu Urversionen von Webseiten und Inhalten zeitreisen.
Finden Sie also auf eigene Faust heraus, wie groß unser Internet-Universum wirklich ist!
Kennen Sie auch so eine Meldung? Haben Ihnen Freunde geraten, genau sovwas auf Ihrer FACEBOOK-Seite zu veröffentlichen? Wider der allgemeinen Auffassung, Sie würden damit Ihre veröffentlichten In- halte schützen, bringen Ihnen solche AGB-Erklärungen überhaupt nichts. Nur wenn FACEBOOK dieses Postings als Erklärungen rechtlich anerkennt, wären sie auch gültig.
Tatsächlich weist FACEBOOK immer wieder darauf hin, dass sich seine AGB’s ändern und User umfassende Nutzungsrechte an ihren eingestellten Inhalten einräumen. Das passt Ihnen gar nicht? Nun, dann haben Sie jederzeit die freie Wahl ohne Einschränkungen Ihr Benutzerkonto einfach zu löschen und somit wieder uneingeschränkter Rechteinhaber Ihrer Inhalte zu sein. Besser, Sie laden einfach keine privaten Inhalte hoch, um eine ungewollte Verbreitung oder Nutzung dieser zu vermeiden. Aber darum geht es doch, oder? Sie WOLLEN Fotos und Filme mit dem Rest der Welt teilen, oder etwa nicht?
Inhalte, von denen hier die Rede ist, werden als USER GENERATED CONTENT bezeichnet. Die Diskussion um den Schutz dieser wird immer brisanter. Als USER GENERATED CONTENT definieren sich Medieninhalte im Internet wie Fotos, Videos oder Musiken. Sie sind der Stoff aus denen Plattformen wie FACEBOOK, YOUTUBE oder PINTEREST gemacht sind. Dafür lassen sie sich in ihren AGBs umfassende Nutzungsrechte von Ihnen einräumen. Ist das überhaupt eine faire Abmachung? Grundsätzlich sind Vertragspartner immer dazu in der Lage, ihre Geschäftsbeziehungen selbst zu regeln. Klauseln und Inhalte der immer wichtiger werdenden AGBs sind also in der Regel Verhandlungssache und hängen von der Verhandlungsmacht aller Beteiligten ab. Was ist aber Verhandlungsmacht? Kurz gesagt, sie drückt das Maß Ihrer Verhandlungs-Überlegenheit gegenüber der anderen Seite aus. Eine Begrenzung dieser durch die Seite mit der größeren Verhandlungsmacht ist nur dann unzulässig, wenn Klauseln in den AGBs „entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen, unwirksam, sind.“ (BGB, § 307)
Das alles hört sich sehr kompliziert und rechtlich undurchsichtig für Sie an? Verständlich. Damit wollen Sie sich, wie viele andere auch, nicht auseinandersetzen müssen. Trotzdem sollten Sie hin und wieder AGBs, die Sie auf Plattformen im Internet unkritisch akzeptieren, genauer lesen, vor allem bei FACEBOOK! Fakt ist also, dass ein Weiterposten eines wie oben links dargestellten Einspruches in Form eines Textes, nichts absichert, so lange ihn FACEBOOK: 1. nicht zur Kenntnis nimmt, 2. nicht offiziell, rechtlich akzeptiert. Was können Sie also tun?
Wie wäre es, wenn Sie FACEBOOK-Gründer Mark Zuckerberg eine Nachricht mit Ihrem Anliegen schicken? Das kostet Sie im Moment 100$. Sie sind nicht mit ihm befreundet, wissen Sie. FACEBOOK testet nämlich grade ein neuen Service: Das kostenpflichtige Verschicken von Nachrichten an Nichtfreunde. Besser, Sie lassen es! Rausgeschmissenes Geld. Denn sind wir mal ehrlich: Interessiert sich Mark Zuckerberg für einen individuellen Schutz von Nutzerdaten, die seine User bisher bereit- und freiwillig hochgeladen haben? Wenn doch, hätte er dann nicht schon in der Vergangenheit, aufgrund vieler Proteste und der Kritik verschiedenster Gruppen, etwas unternommen? Unser Vorschlag, wenn Sie wirklich etwas gegen die Weiternutzung Ihrer Daten unternehmen wollen: Löschen Sie einfach alle Inhalte. Fotos – weg. Filmchen – weg. Was bleibt ist eine blanko Timeline mit ein paar Postings. Langweilig, oder? Millionen öder, ausschließlich beschriebener Timelines – DAS müssten den großen Facebook-König interessieren!
Die 1995 gegründete Online-Unternehmen offenbarte jüngst Pläne, 2013 mit einer eigenen userfreundlichen Suchmaschine für Aufsehen sorgen zu wollen. Angeblich werden dort gesuchte Inhalte unmittelbar auf der Suchmaschinenseite angezeigt. Mehr Details lässt das Unternehmen vorerst im Dunkeln, da sich alles noch in der Testphase befinde.
Bevor Menschen überhaupt das Bedürfnis nach einer Suchmaschine verspürten, tauchte 1995 ein Hund im Internet auf, der bereit war, uns als Freund und Helfer im World Wide Web zur Seite zu stehen. LYCOS eroberte das Netz. Es tummeln sich zahlreiche Theorien und Gerüchte über sein Firmenlogo. Der schwarzer Labrador mit blauem Halsband ist noch heute jedem ein Begriff. Der Name LYCOS wurde angeblich von der lateinischen Bezeichnung für ein Insekt begründet. LYCOSIDAE – die Wolfsspinne. Schöpfer dieser Idee ist der Gedanke an Computerprogramme, die damals begannen, das Internet zu durchforsten und Webseiten zu analysieren. Einer der ersten Webcrawler war der WORDL WIDE WEB WANDERER. Diese Programme wurden allgemein hin auch als SPIDER, also Spinne, betitelt – vielleicht weil es sich Spinnen in der Natur ebenfalls zur Aufgabe gemacht haben, Herr über ein feingesponnenes Netz zu sein – so wie die Webcrawler oder heute die Suchmaschinen. Die Natur der Spinne repräsentiert den Namen LYCOS, doch als Logo kam sie nicht in Frage. LYCOS, was im Griechischen WOLF bedeutet, entscheidet sich für dessen domestizierten Artgenossen, den Hund.
Bis zum raketenartigen Aufstieg von Google Ende der 90iger war LYCOS ein überaus erfolgreiches Unternehmen mit Suchmaschine, Webverzeichnis, Kommunikations- diensten, Inhalt-Channels, Webseiten-Hosting und Online-Community. Inzwischen gibt es das Unternehmen so nicht mehr, es gehört zum indischen Onlinevermarkter YBRANT DIGITAL. LYCOS EUROPE ist ein Gemeinschaftsunternehmen von LYCOS und BERTELSMANN. In den vergangenen Jahren laufen die Geschäfte immer besser und LYCOS ist endlich bereit, sich seinen Platz im digitalen Netz zurück zu erkämpfen. Die Spinne im Wolfs- oder besser Hundepelz wartet darauf seit über 15 Jahren. Wir spitzen die Ohren und halten Ausschau, wo und wann sie mit aufregenden Neuigkeiten aus ihrem Versteck auftaucht und uns in ihre neue Welt einspinnen wird.
“We want to the be the first place people think of when they want to do a search, or look for content or interact with the friends, business partners, peers and family. In that sense, I don’t think that the strategy has changed. I think that the way that we go about fulfilling that missions statement is evolving as the Web use-case evolves.” Zitat: Rob Balazy (LYCOS CEO)
„Wir möchten der erste Ort sein, an den Menschen denken, wenn sie etwas suchen, nach Inhalten Ausschau halten oder mit ihren Freunden, Geschäftspartnern, Kollegen und Angehörigen kommunizieren wollen. In diesem Punkt denke ich nicht, dass sich unsere Strategie jemals geändert hat. Nur die Art und Weise, wie wir versuchen, diese Mission zu erfüllen, entwickelt sich auf stetig wie das Internet.“
Kurz vor dem Beginn des neuen Jahres erscheinen die ersten Berichte über Veränderungen, die uns 2013 erwarten. Steigende Strompreise, der neue Rundfunkbeitrag, drei Cent mehr für eine Briefmarke und die üblichen Steuerneuerungen. Für die chine- sische Regierung sind solche Veränderungen wohl eine Kleinigkeit. Sie beschäftigt sich mit etwas viel Größerem. Etwas Elementarerem. In China strengt man sich an, die menschlichen Rechte im Internet zu beschränken. Ein MUST HAVE in einer Volksrepublik. Grenzen sind wichtig – besonders im bevöl- kerungsdichtesten Land unserer Erde. Schließlich ist es kein Kinderspiel 1,3 Milliarden Menschen zu kontrollieren. Pardon. Zu führen. Nein. Das ist irgendwie auch nicht der richtige Ausdruck dafür. Sagen wir einfach, zu beschützen. So formuliert es gern die chinesische Regierung. Der Schutz seiner Bürger und der des Landes ist das stärkste Argument für die erneute Beschneidung der Internet-Freiheit und so ist das Internet in Gefahr. Die Anonymität für chinesischen User im World Wide Web wird abgeschafft. Das betrifft momentan 500 Millionen Menschen. In Zukunft werden sie dazu verpflichtet, bei dem Anlegen eines Profils auf einer Internetseite, ihren tatsächlich rechtlich geltenden Namen anzugeben. Virtuelle Ausweisung. Wow! Das alles – so ein Sprecher des Nationalen Volkskongresses – sei die einzig richtige Reaktion auf die zuletzt immer häufiger auftretenden Verleumdungen im Internet und der Missbrauch virtueller Daten. Chinas Regierung stellt die der Meinungsfreiheit dienliche Anonymität im Internet hinter die Sicherung öffentlicher Interessen? Sind das nicht vor allem politische Interessen? Natürlich können die Nutzer nach der Registrierung für Ihre Aktivitäten im Netz weiterhin ein Pseudonym verwenden, aber Kurznachrichten, wie die sozialer Netzwerke, könnten nun seitens der Regierung einem greifbaren Verfasser zugeordnet werden. Praktisch, oder? Das perfekte neue Gimmick in Sachen Internetzensur. Da hat China bereits so einiges im Angebot: Die extragroße Firewall, die ausschließlich bewilligtes Gedankengut durchlässt, das Verbot von Facebook und Twitter, die viel zu westlich sind und Filter, die auf bestimmte Schlagworte im Internet chinaverordnet reagieren und – natürlich – schützen. Somit dürfte China in Sachen Internetsicherheit Spitzenreiter sein. Doch wer will dieses unfreie Maß an Sicherheit? Wünschen wir uns nicht diesen einen Platz, wo jede und jeder seine Gedanken fern jeder Zensur, fern jeder Angst, offenbaren kann? Die unendlichen Weiten des Webspace bieten diese Möglichkeit. Eine außergewöhnlich seltene Freiheit. Mehr noch. Sie gestatten einen kritischen Austausch in einem internationalen Miteinander. Natürlich müssen auch hier menschliche Werte und Rechte Bestand haben, ja sogar geschützt sein, aber auf eine freie Weise, so dass jenes gewisse Maß an Internet-Autonomie unangetastet bleibt. Also: Hände weg vom Internet! Ein Aufruf, der sich bereits Anfang Dezember nach Dubai richtete.
Dort fand die WCIT statt. WCIT steht für WORLD CONFERENCE ON INTERNATIONAL TELECOMMU- NICATION (weltweite Konferenz für internationale Fern- meldedienste). Sie wird von der INTERNATIONALEN FERNMELDEUNION (ITU) ausgerichtet. Diese Sonder- organisation der vereinten Nationen beschäftigt sich mit allen Aspekten weltweiter Telekommunikation. Die WCIT 2012 empfing 1600 Abgeordnete aus 151 Mitgliederstaaten.
Punkt 1 der Tagesordnung war die Verabschiedung einer überarbeiteten Vollzugs- ordnung für die internationalen Fernmeldedienste (International Telecommunication Regulations), kurz ITR. Dabei geht es um die Regulierung der weltweiten Telekom- munikation. Da die bisherige ITR-Fassung von 1988 stammte, war es an der Zeit, sie dringend den aktuellen technischen Standards anzupassen. Westliche Länder wehrten sich gegen die neu verfasste ITR, da sie uneindeutige Passagen in Bezug auf das Internet und einer damit verbundenen Regulierung enthält.
Ein heikles Thema, da die ITR ein völkerrechtlich bindender Vertrag ist und die Beschneidung des Internets vor allem von westlichen Ländern abgelehnt wird. 89 Mitgliederstaaten haben dennoch das aktuelle Regulierungswerk unterschrieben. Deutschland nahm den Stift nicht in die Hand, da die zuvor erwähnten Formulierungen allen Staaten gleiche Rechte für die Regulierung und Zensur des Internets ermöglichen. Eine weise Entscheidung, denn in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in China, ist eine nochmalige erneute Über- arbeitung der ITRs dringend nötig! Eindeutige Formulierungen müssen her, die auch weniger demokratischen Länder verklickert, das die Freiheit des Internets unantastbar sein muss!
Jetzt wird’s aber echt aberwitzig. Weil die amerikanische Regierung das Vorhaben, Amerika brauche einen Todesstern, nicht ernst genommen hat, versuchen nun die Initiatoren den Bau selbst zu finanzieren. CROWDFUNDING heißt das Schlüsselwort. Open Source Death Star heißt das Projekt auf KICKSTARTER. Es darf fleißig gespendet werden. 207 186 PFUND sind aktuell gesammelt worden. Das Ziel sind 20 000 000 PFUND in nun noch 51 Tagen. Das Geld soll der weiteren Planung dienen. Kaum zu glauben, wenn Sie das Ziel erreichen. Es scheint so, als meinen es die Initatoren ernst. Sehr ernst.
Über 30000 Menschen fordern den Bau eines Todessterns. Das klingt wie eine Zeile aus einem der STAR WARS Drehbücher, ist aber Realität. Das fordern selbsternannte Zukunftsdenker in einer Online-Petition, die seit dem 14. Dezember 2012 der amerikanischen Regierung vorliegt. Per Gesetz ist diese dazu verpflichtet, sich zu äußern. Die Todesstern-Forderer ersehnen seit jenem Tag eine Antwort aus dem Weißen Haus. Hier kommt sie: Yes, we can’t!
Nein??? Was für eine Überraschung! Jetzt mal im Ernst! Als Gründe gegen das kühne Vorhaben sprechen das Budget in Billiardenhöhe und der wohl offensichtlich zweifelhafte Nutzen. Die Amerikanische Regierung lehnt nun mal ein mögliches Zerstören fremder Planeten ab. Moment! War denn davon die Rede? Es ging doch um den Schutz der Erde vor.. na ja, der Erde, oder etwa nicht? Egal. Die offizielle Stellungnahme kommt auf jeden Fall von einem Mann, der sich in Sachen Weltraum auskennen muss: Paul Shawcross. Er überwacht das Budget für Wissenschaft- und Raumfahrt im US-Präsidialamt. Er weist die Todesstern-Befürworter darauf hin, dass wir doch bereits eine Raumstation da oben haben! Die ISS, so groß wie ein Fußballfeld (109m x 97,9m x 27,5m). Mit einer Masse von etwas über 450 Tonnen schwebt die ISS 400 Kilometer über der Erde. Die bereits 1998 erbaute, internationale Station ist bemannt und hat es sich zwar nicht zum Ziel gemacht, die Weiten des Alls zu erkunden, aber zu erforschen, wie sich ein Leben im All für uns Menschen auswirkt. Na bitte! DIE MACHT IST MIT UNS!
Verteidigung aus dem Weltall
Mehr als 30 000 Amerikaner fordern den Bau eines Todessterns nach dem Vorbild von STAR WARS. Darunter versteht man eine hunderte kilometergroße Raumstation, die zu militärischen Zwecken genutzt wird und natürlich in der Lage ist, ganze Planeten zu zerstören. In GEORGE LUCAS Science-Fiction-Epos STAR WARS feierte der Todesstern keinen besonders großen Triumpf. Der Prototyp wurde bereits im ersten Film KRIEG DER STERNE, der 1977 in die Kinos kam, zerstört. Ok, damals ahnte wir natürlich noch nicht, dass dies der Anfang vom Ende der STAR WARS-Geschichte sei, die Episode IV sozusagen, aber das spielt keine Rolle, denn auch der zweite Todesstern hielt nur bis zum damals dritten Teil, heute Episode VI. Die kugelförmige Raumstation aus Metall und Waffen war von Anfang an dem Unter- gang geweiht. Kein Wunder. Der Name ist Programm. Aber: Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Vielleicht läuft es besser, wenn aus Fantasie Realität wird. Ob wir die Ressourcen und die Macht dazu haben? Egal! Angefangen hat alles – wie kann es anders sein – mit ein paar STAR WARS-Fans. Sie richteten sich mit ihrem Begehren nach einem amerikanischen Todesstern in einer öffentlichen Petition an die amerikanische Regierung. Innerhalb eines Monates stimmten 25 000 Amerikaner für den Todesstern. Eine magische Grenze, denn per Gesetz muss die amerikanische Regierung bei einem Mindest-Voting von 25 000 Stimmen eine Stellungnahme zu dem Gesuche abgeben. Die Antwort dazu dürfte so beeindruckend klingen, wie der Satz aus DAS IMPERIUM SCHLÄG ZURÜCK, als Darth Vader haucht: „LUKE, ICH BIN DEIN VATER!“
In der Petition wird für den Bau der Raumstation das Jahr 2016 vorgeschlagen. Die dringliche Notwendigkeit einer solchen Verteidigungsanlage versteht sich für die Amerikaner natürlich von selbst. Entscheidend ist doch wohl eher die Masse an Arbeitsplätzen, die für den Bau des Todessterns geschaffen werden würden. Zwar können Astronauten bisher nur eine angebliche Landung auf dem Mond und ein paar dort hinterlassene Fußabtritte vorweisen, aber die amerikanische Regierung soll sich jetzt doch bitteschön endlich mal Gedanken über Arbeitsplätze in den Weiten des Kosmoses machen. Und die Kosten? In diversen Gazetten liest man von Studenten, die das Budegt mal grob ausgerechnet haben sollen. Eine Zahl mit so viel Stellen, dass man Sie gar nicht erst aufschreiben möchte. Und das Material? Für einen Durchmesser, der dem des STAR WARS Todesstern entspricht, also circa 160 Kilometer, bräuchte man bis zu 2 Billiarden Tonnen Stahl. Dann bleibt aber immer noch die Frage offen, ob er auch die richtige Wahl wäre. Uns fehlen Langzeit-Erfahrungen, wie sich Stahl in solch einer Masse auf Dauer dort oben, über der Erde schwebend, verhält. Und die Bauzeit? Im Moment werden jährlich an die 1,3 Milliarden Tonnen Stahl produziert. Das bedeutet der Bau würde sich weit über 800 000 Jahre hinziehen. Da reicht wohl ein Bauherr nicht aus. Das alles sieht nicht nach einem gut durchdachten Plan aus. Vielleicht ist das aber auch nur ein PR-Gag? Steckt der STAR WARS Altmeister George Lucas dahinter? Bis vor wenigen Wochen noch suchte er nach einem Drehbuch-Autoren für seine Episode VII. Anfang November 2012 gab LUCASFILM bekannt, dass MICHAEL ARNDT, der Autor von LITTLE MISS SUNSHINE, die Geschichte der Jedi-Ritter weiterspinnen würde. Wenig Spektakel. Die Nachricht versickerte im November-Tratsch. Diese Petition allerdings bringt einiges an gewünschter Aufmerksamkeit. Tarnten sich George Lucas und Michael Arndt als John D.? Das ist der Name des mysteriösen Verfassers der Online-Petition auf WE THE PEOPLE. Wir sind gespannt, wie es ausgeht. Was wird die amerikanische Regierung dazu sagen? Eine Entscheidung steht noch in den Sternen. Ganz zu schweigen von dem Bau einer überdimensionalen Raumstation à la STAR WARS.
Der Beruf des Komikers ist so alt wie das Lachen. Aber nur weil wir in der Lage sind, einen Witz gut zu erzählen und damit unser Gegenüber zum Lachen bringen, bedeutet das NICHT, dass wir TALENT zum Komiker haben. Dazu gehört etwas mehr. Scharfsinn. Ein Blick für das Bedeutsame. Das Verständnis für unser Gesellschaft, das Gestern, Heute und Morgen. Bereits die Griechen unterschieden zwischen Komisch und Komik. Letzteres wurden von ihnen zur Kunst erklärt. Allerdings galt es eine Bedingung zu erfüllen. Die Komik sollte zum Nachdenken anregen. Ein kritischer Witz – könnte man sagen. Tiefgreifend. Wachrüttelnd. Intelligente Komiker verwandeln sich in unterhaltsame Spiegel unserer Gesellschaft. Das ist und war schon immer so. Zu den Legendärsten unter ihnen zählen vor allem Charlie Chaplin, Stan Laurel & Oliver Hardy, die Marx-Brothers, Karl Valentin, Louis de Funès, Jerry Lewis, Peter Sellers, Bob Hope, Loriot oder Jim Carrey.
Jim Carrey? Das überrascht sie jetzt aber? Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass dieser Mann ein Multitalent ist? Bevor der in Kanada geborene Allrounder ins Filmgeschäft einstieg, war er ein gefeierter Stant-up-Komödiant. In Amerika hält man ihn sogar für einen würdigen Jerry Lewis-Nachfolger. Bereits in der Schule hatte der quirlige Jim nichts anderes im Kopf als den Klassenclown zu spielen. Kulturgeschichtlich ist der Clown ein absolut stummer Komiker. Seine Gesten und Aktionen bringen die Menschen zum Lachen. Der wortlose Narr tritt im Zirkus auf. Kein Ort für Jim Carrey, dem es schon gar nicht liegt, dauerhaft still zu sein. Im Alter von 15 quatschte er sich bereits durch die Comedy-Clubs Torontos. 1981 zog es in nach Los Angeles. Das feste Engagement im berühmten THE COMEDY STORE verschaffte ihm 1982 eine eigene TV-Show. Mit THE DUCK FACTORY startete also Jim Carrey seine Schauspielkarriere. Drei Jahre und 13 Folgen später engagierte ihn der Fernseh-Regisseur Howard Storm für seinen ersten und einzigen Kinofilm EINMAL BEISSEN BITTE (ONCE BITTEN). In der Horrorkomödie spielt Jim einen noch jungfräulichen Teenager, der seiner Freundin endlich an die Wäsche gehen möchte, dabei aber in die Fänge einer Vamipirin gerät. Die Kritiker waren gnädig aber nicht begeistert. Trotzdem. Jim Carrey stand mit einem Fuß in der Tür zu Hollywood. Inzwischen hat er allen weltweit bewiesen, dass er ein ernstzunehmender Künstler ist, nicht nur Schauspieler oder Komiker. Die vielseitigen Facetten menschlicher Gefühle, Humor und eine gute Gesangsstimme zeichnen den einstigen Klassenclown aus. Seine besondere Kreativität und umfangreiche Fantasie präsentiert auch seine offizielle Homepage.
JIMCARREY.COM Wer das in die Adresszeile seines Internetbrowers eintippt, erlebt eine wahre Explosion der Möglichkeiten. Zunächst aber zeigt sich ein schwarzer Bildschirm. In die Mitte von diesem ist ein Spot gerichtet. Ein Wurm kriecht aus den Tiefen des Onlinekosmos hervor und rollt sich ein. Nichts weiter als ein amüsant gestalteter Ladeprozess für eine aufwendige, flashbasierte Homepage.
Die Startseite selbst ist eine Bilderkollage von Erinnerungen aus Jim Carreys Karriere, untermalt von einer liebgemeint schwermütigen Klaviermelodie. Unsere Blicke und Klicks begleiten extrem tierische Sounds. Wenn die Computermaus über einzelne Protagonisten dieser Startseitenwelt fährt, werden sie nicht einfach nur lebendig. Der staunende User wird zusätzlich noch von einer Soundwelle getroffen. Auch das Anwählen der wenigen Unterseiten ist hollywoodreif inszeniert. Beeindruckend ist aber die Page, die uns Einblicke in Jim Carreys Leben gewährt. Man wird dort von einem übermenschlichen Auge empfangen, welches uns aber nicht direkt anblickt. In dem mit Adern durchzogenen Augenweiß, der sogenannten Sclera, verstecken sich die Informationen, die uns interessieren. Ein Lebenslauf und private Bilder. Das Auge ist auch hier das Fenster zur Seele. Dabei erinnert die Art und Weise der Darstellung – die Angaben offenbaren sich in der Pupille – an ScienceFiction-Szenen, in denen Roboter über ihre Auge eine Fülle an Informationen sehen und speichern können.
JIMCARREY.COM ist eine fantastische Webseite, die Wert auf liebevolle und künstlerische Details legt. Ihre bunten Effekte und Soundwelten sind humorvoll und unterhaltsam. So wie ihr Besitzer, der Komiker & Schauspieler Jim Carrey. Wir erfahren, dass er nicht nur sein Arbeit mit Humor nimmt sondern auch sein Privatleben. Eindrucksvoll demonstriert diese Homepage, das Internet unserer Kreativität vollkommene Freiheit lässt und unserem Bedürfnis nach Ausdruck keine Grenzen setzt. Online laden wir andere dazu ein, mit uns in unsere intimsten Tiefen zu tauchen, mehr von uns zu sehen und zu erfahren. Eine Hompage speichert diese persönlichen Informationen und ist somit eine Art virtuelle DNA: Ein Abbild unseres Sein und Schaffen in Bits und Bytes.
2004 begann eine Revolution Im Internet. Den bisherigen Herrschern über die Welt der sozialen Netzwerke drohte der Verlust ihres gemeinschaftlichen Thrones. Ein moderner Ritter in schimmernd blauer Rüstung fegte die alten Könige aus dem Sattel. Vorreiter wie CLASSMATES.COM, MYSPACE oder ORKUT zogen sich zurück und überließen fortan FACEBOOK die Führung über das Reich der Sozialen Netzwerke.
Ein ganzer Planet hat einen gemeinsamen Freund: FACEBOOK
Darüber reden alle.
Aktuell interessieren sich die Kritiker für die schwächelnden Aktienkurse und die User für die Zwangseinführung der sogenannten Timeline, die am 28. August 2012 wohl für jedermann ein unausweichliches MUST BE sein wird. Weltweit sind 955 Millionen Mitglieder monatlich auf FACEBOOK online. Tendenz weiterhin steigend. Übrigens befinden sich von den 955 Millionen Menschen satte 81% außerhalb der USA und Kanada. 3976 Angestellte sind für den Weltkonzern im Moment tätig. Der Hauptsitz ist nach wie vor in Kalifornien. Allerdings liest sich das Register der Zweit-Büros wie ein Routenplan für eine Weltreise: Atlanta, Chicago, Dallas, Los Angeles, Miami, New York, Washington, Amsterdam, Sidney, Brussels, Dublin, Hamburg, Hong Kong, London, Madrid, Paris, Sao Paulo und viele, viele mehr. FACEBOOK verbindet Kontinente, Länder, Städte, Firmen, Privatleute, Künstler und Fans. Sie alle wollen miteinander quatschen, chatten, posten – am Leben der anderen teilhaben, Geschäfte und Werbung machen, Aufmerksamkeit erwecken und manchmal ihr Intimstes bloßstellen. Verlockend sind Posting-Beiträge, die unser langweiliges Leben brachial aufdecken.
Harmlos?
Ja.
Es gibt Schlimmeres.
Egal. Darum geht es heute nicht.
Es geht darum, dass wir auf FACEBOOK machen und sein können, was und wer wir wollen. Denn FACEBOOK hat eine Vision: Make the world more open and connected!
Ein Schlachtruf für eine moderne Netzwerkgemeinschaft.
Ein vielsilbiges Synonym für unser virtuelles Kommunikationsbedürfnis.
Und FACEBOOK ist unsere Lieblingsdroge.
Was aber bedeutet dieser Name und warum macht dieses simple Konzept einen Großteil aller modernen Menschen süchtig?
EIN BUCH VOLLER GESICHTER
Der Name FACEBOOK ist aus zwei unkomplizierten, englischen Wörtern zusammengesetzt.
FACE and BOOK.
GESICHT und BUCH.
Auch wenn diese beiden Vokabeln das Konzept von FACEBOOK perfekt umschreiben, fragen wir uns doch, wie der Name entstanden ist. Woher kommt dieser Zusammenschluss zweier Vorschulbegriffe?
Als Vorlage oder Ideengeber dienten dem Gründer Mark Zuckerberg die berühmten Jahrgangsbücher amerikanischer Universitäten. Alle neu ankommenden Studenten einer Hochschule erhalten ein gebundenes Exemplar, in welchem ihre Mitstreiter mit Foto und Namen aufgelistet sind. Die Amerikaner nennen diese Jahrgangsbücher FACEBOOKs. Eine alte Tradition, die vielleicht Mark Zuckerberg als frisch gebackener Student an seinem ersten Tag an der inzwischen über 375 Jahre alten Eliteuniversität HARVARD bewegt hat. Bis 2006 studierte er dort Informatik und Psychologie, gab sein Studium aber aufgrund des rasanten Erfolges von FACEBOOK ohne Abschluss auf.
Der als Nerd verschriene Mark Zuckerberg war bekannt für seine Programmierungskenntnisse. Ein Segen und Fluch zugleich, denn für den unscheinbaren Außenseiter waren diese nicht all zu selten eine Rückzugsmöglichkeit. Der junge Zuckerberg wollte dazu gehören, in eine Studentenverbindung eintreten, Teil des Campuslebens sein. Doch irgendwie wollte das alles nicht so richtig klappen. Erst durch sein außerordentliches Geschick für unterhaltsames Internet-Entertainment erregte er die Aufmerksamkeit seiner Mitstudenten.
DERFACEBOOK-URKNALL
Langeweile führt hin und wieder zur Rebellion. 2003 ist Mark Zuckerberg 20 Jahre und hat das Teenager-Sein erst kürzlich hinter sich gelassen. In diesem Alter dreht sich alles um Mädchen, Anerkennung und Erfolge. Vor allem persönliche Gefühle leiten unser Urteilsvermögen. Aus Trotz und falschem Stolz bastelt Mark Zuckerberg zum Beispiel in nur wenigen Stunden einer Nacht eine fiese Version eines Online-Jahrgangbuches. Er nennt es FACEMASH. Per Zufallsgenerator werden jeweils zwei Frauen-Fotos eingeblendet und die Studenten können die Attraktivität ihrer weiblichen Kommilitoninnen beurteilen. Allerdings ist das Bewertungssystem sehr fragwürdig und nicht zuletzt frauenverachtend. Trotzdem schläg es ein wie eine Bombe. In dieser einen Nacht führt das große Interesse an der Seite zu Problemen des Harvard-Netzes. Unverzüglich eliminiert die Universität die Seite. Ihr Erschaffer Mark Zuckerberg muss sich wegen Copyright-Verstößen rechtfertigen. Die Fotos hatte er – irgendwie logisch – natürlich ohne die Zustimmung der Frauen online gestellt. Aber welche der Damen hätte sich tatsächlich dazu bereit erklärt?
Dieser Erfolg blieb nicht unentdeckt. Die Winklevoss-Zwillinge sprachen den FACEMASH-Erfinder auf seine genialen Fähigkeiten an. Der Erfolg der Seite hat sie beeindruckt und sie glaubten in Zuckerberg den Richtigen für ihr eigenes Online-Projekt gefunden zu haben. Die als durch und durch Gentlemen bekannten Winklevoss-Brüder planten ein soziales Netzwerk namens ConnectU. Mark Zuckerberg sollte ihnen die Webseite programmieren. Allerdings sagte dem Internet-Nerd die Idee hinter dem Konzept nicht zu. ConnectU verstand sich als eine versteckte Datingseite. Das gefiel dem idealistischen Zuckerberg gar nicht. Er hielt die beiden irgendwie hin und entwarf sein eigenes Online-Netzwerk, dass einem Online-Jahrgangsbuch ähnelte. 2004 gründete er mit seinen Freunden Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes eine neue Online-Welt für Studenten: THEFACEBOOK.COM.
ALLER ANFANG IST LEICHT
Tag 1: 600 User
Mark Zuckerberg und seine Freunde konnten kaum glauben, wie schnell sich ihre Seite unter den Studenten herum sprach.
Das erste Layout war bereits damals in dem markanten Blau, welches heute zum Facebook-Markenzeichen gehört. Angeblich hat Mark Zuckerberg eine Rot-Grün-Sehschwäche. In der Symbolik verkörpert die Farbe Blau das Göttliche und steht für Treue. Das passt zu dem FACEBOOK-Gründer, der trotz diverser Zwischenfälle irgendwie immer er selbst bleibt. Auch wenn sich Layout und Funktionen der Seite stetig weiterentwickeln, die Philosophie und der Mensch dahinter sind unveränderlich. Nichts kann sein Engagement für sein Lebenswerk bremsen. Nicht einmal eine Klage der Winklevoss-Zwillinge und auch nicht die seines besten und einzigen Freundes und Mitbegründer Eduardo Saverin.
SCHRECKEN MIT ENDE
Nachdem sie vergebens auf Antwort und Arbeitsbereitschaft seitens Mark Zuckerberg gewartet hatten, verklagten die Winklevoss-Zwillinge nach Auftauchen FACEBOOKs seinen Gründer Mark Zuckerberg auf eine Entschädigung im Wert von 140 Millionen Dollar. Der Rechtsstreit sollte bis 2011 dauern. Im Jahr 2008 aber überraschten die Brüder die Öffentlichkeit mit ihrem Wunsch auf einen Vergleich. Sie kassierten 65 Millionen Dollar. 20 Millionen davon wurden in bar ausgezahlt, der Rest in Aktien. Später hieß es jedoch plötzlich, sie wollten den Vergleich rückgängig machen, weil Facebook den wahren Unternehmenswert verschwiegen hätte. Der zuständige Richter urteilte zugunsten Facebooks.
Ein ganz anderer Fall ist der Prozess, angestrebt vom Mitbegründer Eduardo Saverin. Zu Beginn der Ära FACEBOOK hatte der Student 1000 Dollar Startkapital zur Verfügung gestellt, so dass die Seite überhaupt online gehen konnte. Als Chief Financial Officer (CFO) hatte er die Kontrolle über die Finanzen und wollte im Zuge dieser Werbekunden gewinnen, um Gelder für das kleine Unternehmen zu akquirieren. Seine Bemühungen entsprachen allerdings nicht so ganz Zuckerbergs Vorstellungen. Damals verabscheute er noch Werbekampagnen auf seiner Seite. Als er dann die Dienste des Web-Gurus Jean Parker in Anspruch nahm, wurde THEFACEBOOK.COM zu FACEBOOK und dem in Brasilien geborenen Saverin entglitt die Kontrolle. Er wurde ausgeboten und ins Aus geschoben. 2005 verklagte er kurzerhand seinen besten Freund und das Unternehmen. Nach Einigung unterschrieben beide eine Geheimhaltungsklausel, auf das nie die ganze, sicherlich sehr intime Wahrheit an die Öffentlichkeit gerate. Auf dem Papier steuern die beiden ehemaligen Freunde einen gemeinsamen Kurs an, im Leben gehen sie getrennte Wege.
Mark Zuckerberg, Sohn eher unkreativer Eltern mit jüdischem Stammbaum, ist Atheist. Er glaubt nicht an Gott.
Woran glaubt er überhaupt?
Der Film THE SOCIAL NETWORKS von David Fincher versucht ein persönliches Bild des FACEBOOK-Erfinders zu zeichnen. Auf der Leinenwand begegnet uns ein junger Student mit Komplexen, der sich als Arschloch tarnt, um sich vor emotionalen Verletzungen zu schützen. Gefühle, Ideale oder Pläne sind schlichtweg unsichtbar. Seine Begeisterung brennt für alles rund um die Freiheit im Internet. Sein Lebenswerk FACEBOOK scheint das einzig Greifbare in seinem Leben zu sein. Geld interessiert ihn nicht. Er bleibt bescheiden und trotz Ruhm und Erfolg der gleiche unscheinbare Nerd wie eh und je. Mark Zuckerberg hatte vor der Premiere des Filmes bekannt gegeben, dass er ihn sich nicht ansehen wolle. Vielleicht wagt er es dennoch eines Tages und offenbart danach sein wahres Ich. Denn der Film ist ein lahmes Portrait von einem Mythos names FACEBOOK und sein Erschaffer mehr als diese oberflächige Hülle mit einem großen Namen. Vielleicht offenbart sich Mark Zuckerberg als ganz normaler Mensch mit schlechten Angewohnheiten, Vorlieben und praktischen Ideen. Das wäre doch mal ein echt großes wert!